Recht und Steuern

Kurzarbeitergeld: Steuerfreie Zuschüsse

Viele Unternehmen haben in der Corona-Krise freiwillig Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld gezahlt. Diese sind jetzt steuerfrei.

Warum ist der Zuschuss jetzt steuerfrei?

Mit dem Corona-Steuerhilfegesetz, das zum 30. Juni in Kraft getreten ist, will der Gesetzgeber die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für die Unternehmen und Arbeitnehmer abmildern. Rückwirkend stellt er daher die Zuschüsse ab März 2020 innerhalb bestimmter Grenzen steuerfrei.
Entsprechend der sozialversicherungsrechtlichen Behandlung werden Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld (Kug) und zum Saison-Kurzarbeitergeld bis 80 Prozent des Unterschiedsbetrags zwischen dem Soll-Entgelt und dem Ist-Entgelt nach § 106 des Dritten Buches Sozialgesetzbuches steuerfrei gestellt (§ 3 Nr. 28a EStG). Die zunächst bis zum Jahresende 2020 befristete Steuerbefreiung der Zuschüsse wurde nun mit dem Jahres-steuergesetz 2020 um ein Jahr verlängert. Die Steuerfreiheit gilt damit für Lohnzahlungszeiträume, die nach dem 29. Februar 2020 beginnen und vor dem 1. Januar 2022 enden.

Was müssen Unternehmen für die Steuererstattung tun?

Der bis zum Inkrafttreten der Gesetzesänderung vorgenommene Lohnsteuerabzug, bei dem von einer Steuerpflicht entsprechender Zuschüsse auszugehen war, ist vom Arbeitgeber grundsätzlich zu korrigieren. Rechtsgrundlage ist § 41c Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 und Satz 2 EStG. Kann der Arbeitgeber den Lohnsteuerabzug nicht mehr korrigieren, weil das Dienstverhältnis zwischenzeitlich beendet worden ist, erfolgt eine Korrektur im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer. Hier ist der steuerpflichtige Arbeitslohn laut Lohnsteuerbescheinigung entsprechend zu mindern und der entsprechende Anteil in den Progressionsvorbehalt einzubeziehen.
Die steuerfreien Arbeitgeberzuschüsse sind in den Progressionsvorbehalt einzubeziehen (§ 32b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. g EStG). Der Arbeitgeber hat sie in die elektronische Lohnsteuerbescheinigung für das Kalenderjahr 2020 unter der Nummer 15 einzutragen.
Die Zuwendung der Steuererstattung an den Unternehmer hängt davon ab, ob Netto- oder Bruttozuschüsse mit dem Arbeitnehmer vereinbart wurden. Da es sich bei den Zuschüssen in der Regel um Nettolohnvereinbarungen handelt, profitieren Arbeitgeber von der Steuerbefreiung. Sie dürfen die Steuererstattung behalten. Wenn der Zuschuss zum Kurzarbeitergeld jedoch brutto gezahlt wurde, steht die Steuererstattung dem Arbeitnehmer zu. Der Arbeitgeber zahlt diese dann an den Arbeitnehmer aus.

Beispiel 1

Der Arbeitnehmer verdient 2.500 Euro brutto und ist zu 100 Prozent in Kurzarbeit. Während der Kurzarbeit wird ein Entgelt von 1.250,00 € erzielt. Die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale des Arbeitnehmers beinhalten die Steuerklasse III und einen Kinderfreibetrag von 1,0. Damit ist aus der Tabelle zur Berechnung des Kug für Beschäftigte von 2020 der Leistungssatz 1 maßgebend.
Berechnung
Betrag
Für das Soll-Entgelt von 2.500,00 € ist der rechnerische Leistungssatz
1.295,11 €
Für das Ist-Entgelt von 1.250,00 € ist der rechnerische Leistungssatz
675,36 €
Damit beträgt das Kurzarbeitergeld:
619,75 €
Ausgefallenes Entgelt (Unterschiedsbetrag):
1.250,00 €
80% des ausgefallenen Entgelts (Fiktivlohn):
1.000,00 €
Maximal möglicher beitragsfreier Zuschuss: 1.000,00 € - 619,75 €
380,25 €
 Ein höherer Zuschuss als 380,25 € wäre mit dem Betrag über 380,25 Euro beitragspflichtig.
Bei einem Zuschuss von 500 Euro wären also 119,75 € beitragspflichtig. (Quelle: www.lohn-info.de)

Beispiel 2

Ein Arbeitgeber hat mit seinem ledigen Arbeitnehmer Steuerklasse I vereinbart, dass er einen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld bekommt, sodass er 75 Prozent seines bisherigen Nettolohns während der Kurzarbeitsphase erhält. Der Arbeitnehmer verdient 2.500 Euro brutto und ist zu 100 Prozent in Kurzarbeit.

Gehaltsbestandteile und Zahlungen
Betrag
Bisheriges Nettogehalt
1.700 Euro
75 Prozent des Nettogehalts
1.275 Euro
Höhe des Kurzarbeitergelds
ca. 1.020 Euro
Nettozuschuss (1.275 Euro minus 1.020 Euro)
255 Euro
Lohnsteuer auf Bruttozuschuss (Annahme 30 Prozent)
109 Euro
Solidaritätszuschlag
6 Euro
Kirchensteuer
9 Euro
Steuerersparnis des Arbeitgebers für die Monate April bis Juli 2020
496 Euro
Der Rechenweg: Um die Lohnsteuer auf den Nettozuschuss zu berechnen, braucht man zuerst den Bruttozuschuss, denn der Arbeitgeber musste vor der Gesetzesänderung den Zuschuss brutto zahlen. Diesen erhält man, indem man den Nettozuschuss von 255 Euro durch 70 Prozent teilt. Das ergibt den Bruttozuschuss in Höhe von 364 Euro. Diesen multipliziert man mit dem Steuersatz von 30 Prozent – bei den 30 Prozent handelt es sich um eine Annahme. Somit kommt man auf 109 Euro Lohnsteuer auf den Nettozuschuss.
 
Die Steuerersparnis berechnet man so: 109 Euro Lohnsteuer + 6 Euro Soli + 9 Euro Kirchensteuer ergibt 124 Euro. Das mal 4 macht 496 Euro Steuerersparnis für die Monate April bis Juli 2020. (Quelle: Ecovis AG Steuerberatungsgesellschaft)