Pressemeldung, 11. Juni 2021

Neue Ideen für die Logistik in der Stadt

Den Kurier-, Express- und Paketdiensten – kurz „KEP“ – haben Pandemie und Lockdown nicht geschadet. Ihre Dienste waren und sind gefragter denn je, allen voran wegen des wachsenden Online-Handels. Gerade in den Innenstädten wird die Zustellung aber mitunter zur Herausforderung.
„Es ist für alle Betroffenen wichtig, dass die Kommunen gute Rahmenbedingungen für die Belieferung auf der ‚letzten Meile‘ schaffen. Wenn um- und neu gebaut wird oder sogar komplett neue Stadtteile errichtet werden, muss dieser Aspekt von Anfang an berücksichtigt werden“, sagt Dr. Ulrich S. Soénius, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Köln.
Die IHK Köln hat deshalb in Kooperation mit der Wirtschafts- und Verkehrsberatung „KE-CONSULT Kurte & Esser GbR“ in der Studie „Laden und Liefern im Kölner IHK-Bezirk“ rund 20 Konzepte vorgestellt, mit denen Kommunen und Unternehmen die Logistik optimieren können. Sie reichen von Lastenrädern über Paketabholstationen bis hin zu Paketrobotern und Lieferdrohnen. Je nach Struktur seien unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll, so Soénius. Vom Industriegebiet bis zur Großwohnsiedlung sind in der Studie deshalb die jeweils geeigneten Ansätze aufgeführt.

Unterschiedliche Interessen in den Innenstädten

Das Sendungsvolumen wächst auch in Köln von Jahr zu Jahr. 2019 lag es bei 49 Millionen Sendungen. 2020 ist es – pandemiebedingt – auf 54 Millionen gestiegen. Nimmt man Speditionsgüter hinzu, sind auf Kölns Straßen täglich rund 10.000 Fahrzeuge im Liefer-Einsatz.
„Gerade in den Innenstädten müssen viele Interessen mit den Lieferverkehren in Einklang gebracht werden“, sagt Soénius. „Alle haben ihre Bedürfnisse: Der Einzelhandel will gut erreichbar sein, der Gastronomiebetrieb den Bürgersteig mitnutzen – und nicht zu vergessen die Anwohnerinnen und Anwohner. Der Lieferverkehr darf bei dieser Gemengelage aber nicht vergessen werden, denn alle Beteiligten sind auf ihn angewiesen.“
Hinzu kommt: In den Innenstädten ist das Lieferaufkommen auch am höchsten. „Erfreulicherweise hat sich gerade in diesem Bereich in den vergangenen Jahren aber auch einiges getan“, sagt Soénius.

Neue Konzepte für Köln

So setzen auf der „letzten Meile“ mittlerweile mehrere Anbieter auf umweltfreundliche Lastenfahrräder und Mikrodepots. Auch gibt es in Köln zahlreiche Ladezonen. Sie werden jedoch noch immer häufig von nicht-berechtigten Fahrzeugen blockiert oder sind an der falschen Stelle ausgewiesen. Die Forderungen der IHK Köln nach einer besseren Konzeption von Ladezonen und einer ausreichenden Überwachung der Einhaltung der Regeln, 2018 erhoben in der Studie „Die Ladezone im Blickpunkt“, seien deshalb leider noch immer aktuell, sagt Soénius.
Gleichzeitig gibt es neue Konzepte, die auch für Köln attraktiv sind. So sind in Hamburg anbieterübergreifende Paketabholstationen an rund 20 Bahnhöfen und Haltestellen („Hamburg Box“) installiert. In Köln und anderen Orten stellt bislang noch jeder Anbieter seine eigene Station auf. Eine weitere Möglichkeit ist, leerstehende Gewerbeflächen als innenstadtnahe Depots zu nutzen. Sogar Lieferroboter und -drohnen werden mittlerweile erprobt.
„Wir brauchen eine Offenheit für neue Ideen“, sagt Soénius. Schließlich drängten derzeit mit den neuen Lebensmittellieferdiensten neue Akteure auf die Straße. „Das Wachstum wird vorerst nicht abnehmen – im Gegenteil.“