Pressemeldung 28. Januar 2021

Lage der regionalen Wirtschaft ist gespalten – Situation hat sich weiter verschärft

Die Wirtschaft in der Region der IHK Köln befindet sich in der Rezession, das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage. Vom 30.11.2020 bis zum 7.1.2021 wurden die Unternehmen zu ihrer Lage und ihren Erwartungen befragt. In diese Zeit fiel der Teil-Lockdown im November sowie der Beschluss des harten Lockdowns ab dem 16. Dezember 2020.
„Inzwischen hat sich die Situation wegen der Verzögerungen bei den Impfungen und Sorgen um Virus-Mutationen sogar noch weiter verschärft, würde man die Unternehmen heute fragen, wären die Erwartungen sogar noch pessimistischer“, sagt Dr. Nicole Grünewald, Präsidentin der IHK Köln. „Bisher war unser Wirtschaftsstandort von einem stabilen Branchenmix geprägt, der uns beispielsweise bei der letzten Krise gut geholfen hat. Mittlerweile ist die Wirtschaft zweigeteilt: In Betriebe, die durch die Pandemie in Existenznot geraten sind, und in Wirtschaftszweige, denen die Krise fast gar nichts anhaben konnte“, so Grünewald. „Eine Erholung auf breiter Front ist allerdings noch nicht in Sicht. Wenn die angekündigten Hilfen nicht bald die Unternehmen erreichen, wird die Situation noch dramatischer. Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand! Wir fordern dazu weitere Erleichterungen, wie zum Beispiel weniger Bürokratiekosten, schnellere Genehmigungsverfahren und Erleichterungen, wo es nur geht. Nur so haben wir die Chance, dass wir nach der gemeinsamen Bewältigung der Pandemie wieder eine starke Wirtschaftsregion mit vielen unterschiedlichen Branchen werden!“ Wenn ganze Branchen wirtschaftlich in die Knie gehen, sind auch die Strukturen dahinter gefährdet. „Gelingt es uns nicht, große Teile der betroffenen Branchen über die Dauer der Pandemie zu retten, hat das gravierende Auswirkungen auf die Innenstädte und Ortskerne in unserer Region. Das müssen wir verhindern!“

Ergebnisse für den gesamten IHK-Bezirk:

Relativ gut durch die Krise gekommen sind bislang Teile der Industrie, hierbei besonders die chemische und pharmazeutische Industrie sowie der Maschinenbau. Dienstleistungsbereiche wie Immobilienwirtschaft, Unternehmensberatungen und die Informationswirtschaft sowie der produktionsorientierte Großhandel sind ebenfalls nicht so stark von der Krise betroffen. „Zum Glück für den gesamten Bezirk sind nicht alle Branchen gleichermaßen betroffen“, sagt Frank Hemig, stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. „Allerdings bedeutet dies, dass auch in diesen Branchen Umsatz- und Erlösrückgänge zu verzeichnen sind. Auch die Geschäftslage ist weiterhin angespannt und wegen der großen Unsicherheit sind die Investitions- und Beschäftigungspläne sehr zurückhaltend.“
Im Gegensatz dazu stehen Branchen wie die Reisebranche, Gastronomie, Hotellerie, Messewesen, Veranstaltungsbranche, Einzelhandel und konsumorientierter Großhandel sowie Freizeit/Sport und Kultur seit Monaten fast ohne Einnahmen da. „Betroffen sind auch bestimmte Teile der Industrie, wie zum Beispiel die Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der Fahrzeugbau oder die Hersteller von Eisen, Blechen und Metallen und die Elektroindustrie“, schildert Hemig die Lage. „Dies resultiert neben der geringeren Nachfrage auch aus Störungen bei der Produktion im In- und Ausland oder Schwierigkeiten bei den Lieferketten.“
Die Geschäftslage bleibt mit minus zwei Prozent im negativen Bereich. Die Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten sind im Vergleich zur Vorumfrage im Herbst von -9,8 auf -3,1 Punkte gestiegen. Es überwiegen also auch bis Anfang Januar noch die Unternehmen, die von einer schlechteren Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten ausgehen. Die Investitionsabsichten sind per saldo um 10,7 Punkte gestiegen, liegen aber immer noch mit -12,9 im zweistelligen Negativbereich. „Die ganz leichten Entspannungszeichen im Befragungszeitraum sind wahrscheinlich auch die positiven Erwartungen zurückzuführen, die im Dezember wegen der beginnenden Impfungen vorherrschten. Hier zeichnete sich für kurze Zeit eine Perspektive ab. Heute sähe das wahrscheinlich schon wieder schlechter aus, das belegen auch die Zahlen der aktuellen bundesweiten Befragungen“, meint Frank Hemig.
„Die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute gehen von einem Wirtschaftswachstum im Jahr 2021 aus – aber eine weitere Verlangsamung der Dynamik ist jederzeit möglich“, sagt Hemig. Bis die Wirtschaft wieder auf das Ausgangsniveau des Winters 2029/20 zurückgekehrt sei, könne sich auch noch bis 2022 verschieben, und: „Je länger diese unsichere Phase dauert, desto mehr Unternehmen und Branchen geraten in Schieflage“, so Frank Hemig.

Industrie

Die Lagebewertung der Industrieunternehmen hat sich im Winter 2020/2021 im Vergleich zum Herbst von -34,2 auf -11,5 Prozent zwar deutlich verbessert, es überwiegen aber immer noch die Unternehmen, die eine schlechte Geschäftslage melden (33,7 Prozent). So hatten sich auch die Erwartungen im Vergleich zum Herbst verbessert: 28 Prozent der Unternehmen glauben an eine verbesserte Lage in den kommenden zwölf Monaten. Als Risiken sehen die Industrieunternehmen vor allem die Inlands- und Auslandsnachfrage sowie die Energie- und Rohstoffpreise. 26,5 Prozent der Unternehmen klagen über einen Eigenkapitalrückgang, 14,5 Prozent über Liquiditätsengpässe und 10,5 Prozent über zunehmende Forderungsausfälle. Jedes dritte Unternehmen rechnet mit weniger Personal. 60 Prozent melden gesunkene Aufträge, die Kapazitätsauslastung liegt bei 72,2 Prozent (langjähriger Durchschnitt 80,4 Prozent).

Einzelhandel

Jedes dritte Unternehmen meldet eine schlechte Geschäftslage. Besonders die Einzelhändler sind weiter pessimistisch, über 40 Prozent gehen von einer schlechteren Entwicklung aus. Dabei nutzen rund die Hälfte der Händlerinnen und Händler auch digitale Vertriebskanäle. Als Risiken gelten die Inlandsnachfrage, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und der Fachkräftemangel. Über Eigenkapitalrückgang klagen 36 Prozent der Betriebe, jedes fünfte Unternehmen hat mit Liquiditätsengpässen und Forderungsausfällen zu tun. Die Investitionsbereitschaft und die Bereitschaft, neue Mitarbeitende einzustellen, bleibt sehr zurückhaltend.

Hotel- und Gaststättengewerbe

Durch die anhaltende Pandemie hat sich die Lage weiter verschlechtert: 96 Prozent der Unternehmen melden eine schlechte Lage. Rund 20 Prozent erwarten Umsatzausfälle von über 50 Prozent, weitere 14 Prozent befürchten Umsatzausfälle zwischen 25 und 60 Prozent. Über ein Drittel kann die Situation zurzeit nicht einschätzen. Als Risiken gelten die Inlandsnachfrage, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die Arbeitskosten. Von Eigenkapitalrückgängen ist über die Hälfte der Unternehmen betroffen, ebenso von Liquiditätsengpässen. Folgerichtig ist die Investitionsbereitschaft sehr zurückhaltend und rund 64 Prozent der Unternehmen planen mit weniger Personal.

Im Winter 2020/2021 meldet in der Stadt Köln immer noch ein Drittel der Unternehmen eine schlechte Lage

(Vorumfrage: 38 Prozent) und 24,4 Prozent melden eine gute Lage (Vorumfrage: 17,6 Prozent). Auch wenn sich der Indikator per saldo verbessert hat, überwiegen die Unternehmen, die eine schlechte Lage melden. In der Industrie und auch im Handel hat sich die Lage verbessert, bleibt aber im negativen Bereich. Im Dienstleistungsbereich ist der Indikator in den leicht positiven Bereich gestiegen. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate sind dagegen die Erwartungen der Unternehmen etwas zuversichtlicher und von einem Saldo von -13,5 im Herbst auf einen Saldo von -2,5 im Winter gestiegen. Zuversichtlicher auf die kommenden zwölf Monate blickt die Industrie, Handel und Dienstleistungswirtschaft bleiben dagegen pessimistischer. Die Beschäftigungspläne sind per saldo etwas weniger zurückhaltend, verharren aber mit -10,4 Prozent im zweistelligen Minusbereich. Aktuell plant nur jedes fünfte Unternehmen mit mehr Beschäftigten (Vorumfrage: 15,1 Prozent). Immer noch über ein Drittel der Unternehmen plant jedoch mit weniger Personal (Vorumfrage: 41,7 Prozent).
Den detaillierten Konjunkturbericht finden Sie  auf dieser Seite.