Pressemeldung, 12. Mai 2021

Regionale Wirtschaft weiterhin gespalten

Die Wirtschaft in der Region der IHK Köln hat im Vergleich zur Winterumfrage aufgeholt – aber das gilt weiterhin vor allem für die Industrie. Im Einzelhandel ist die Lage noch schlechter als im Winter.
Vom 15.03.2021 bis zum 19.04.2021 wurden die Unternehmen zu ihrer Lage und ihren Erwartungen befragt. Die „Bundesnotbremse“ war zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht in Kraft, auch haben die Impfkampagnen inzwischen an Fahrt aufgenommen.
„Bei allen positiven Signalen gibt es auch deutliche Zeichen dafür, dass durch die Corona-Krise die Wirtschaft insgesamt in einen instabileren Zustand geraten ist“, sagt Dr. Nicole Grünewald, Präsidentin der IHK Köln. „So gerät die Industrie trotz guter Entwicklung durch Engpässe bei Material und Vorprodukten unter Druck, zudem steigen die Preise für Metalle und Baumaterialien in zum Teil zweistelliger Höhe“, so Grünewald.
„Besonders unsere exportorientieren Unternehmen, unsere hidden champions, stehen dadurch im verschärften internationalen Wettbewerb. Auf der anderen Seite warten die von der Pandemie besonders betroffenen Branchen heute – über ein Jahr nach seit Beginn der Corona-Krise – immer noch auf verbindliche Öffnungsperspektiven und verlässliche Regeln, die uns auch im Herbst weiter begleiten könnten. Eine Wiederholung der Vor-und-Zurück-Politik aus dem letzten Herbst können wir uns nicht leisten!“

Ergebnisse für den gesamten IHK-Bezirk:

Insgesamt hat sich das Konjunkturklima in der Region verbessert. Der Konjunkturklimaindex ist von 97,4 Punkten im Winter 2020/2021 auf 102,6 Punkte gestiegen. Damit liegt der Indikator wieder im positiven Bereich, aber immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt. Im Vergleich zum Jahresbeginn konnten das Baugewerbe, unternehmensorientierte Dienstleister, viele Industriebetriebe und der produktionsorientierte Großhandel ihre Lage verbessern.
Weiterhin sehr stark von den Schließungen und Auswirkungen der Pandemie betroffen sind die personenbezogenen Dienstleister, der Einzelhandel, die Gastronomie und auch der konsumnahe Großhandel. Frank Hemig, stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Köln: „Bei allen positiven Erwartungen der Unternehmen bleiben die Investitionsabsichten immer noch im negativen Bereich – ein weiteres Indiz dafür, dass die Betriebe in der Region jetzt vor allem sichere Perspektiven brauchen.“ Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sind neben der Inlandsnachfrage und dem Fachkräftemangel die am häufigsten genannten Risiken für die Unternehmen. „Auch die Finanzlage bleibt für viele Betriebe angespannt. Bei jedem vierten Unternehmen gibt es einen Rückgang des Eigenkapitals und bei jedem fünften Liquiditätsengpässe, 13 Prozent haben zunehmende Forderungsausfälle. Bislang geben drei Prozent der Betriebe an, in die Insolvenz gehen zu müssen, da erst Ende des Monats die Frist für den Aufschub der Insolvenzanträge endete, kann sich diese Zahl auch noch weiter steigern“, so Hemig.
Der Indikator zur Geschäftslage ist im Vergleich zur Vorumfrage um 5,3 Punkte auf 3,3 Punkte gestiegen. Über ein Drittel meldet eine gute Geschäftslage – fast genauso viele Unternehmen geben eine schlechte Lage an. Die Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten sind im Vergleich zur Vorumfrage von -3,1 auf 1,9 Punkte gestiegen. Im Vergleich zum Frühjahr 2020 stieg der Erwartungsindex um rund 73 Punkte – dies spiegelt die Hoffnung in eine nachhaltige Überwindung der Krise.

Industrie

Die Lagebewertung der Industrieunternehmen hat sich im Frühjahr 2021 im Vergleich zum Winter von -11,5 Punkte auf 7,3 Punkte deutlich verbessert. Über ein Drittel der Unternehmen melden eine bessere Lage. Ausnahmen bilden die Betriebe der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, hier hat sich die Lage weiter verschlechtert. Mehr als ein Viertel der Unternehmen geht davon aus, dass sich die Geschäftslage in den nächsten Monaten weiter verbessern wird. Fahrzeugbau, Maschinenbau und Elektroindustrie schauen zuversichtlicher in die kommenden zwölf Monate. Von einer Verschlechterung gehen über ein Drittel der Betriebe der chemischen und pharmazeutischen sowie der Gummi- und Kunststoffindustrie aus.

Einzelhandel

Die Stimmung im Einzelhandel hat sich gegenüber der Winter-Umfrage nochmals verschlechtert. 41 Prozent der Unternehmen melden eine schlechte Lage (Vorumfrage: 35 Prozent). Über 40 Prozent gehen auch weiter von einer schlechten Entwicklung aus. Die Inlandsnachfrage, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und der Fachkräftemangel sind die Top 3-Risiken für den Einzelhandel. Daneben klagen 30 Prozent über den Rückgang von Eigenkapital und jedes fünfte Unternehmen hat mit Liquiditätsengpässen zu tun. Jeweils 13 Prozent haben eine hohe Fremdkapitalbelastung und zunehmende Forderungsausfälle.

Hotel- und Gaststättengewerbe

Die Schließungen spiegeln sich weiterhin in der Lagebewertung in dieser Branche: 90 Prozent der Unternehmen melden eine schlechte Lage. Allerdings sind über die Hälfte der Unternehmen mittlerweile zuversichtlich, dass sich ihre Lage in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird. Auch im Hotel- und Gaststättengewerbe ist die Finanzlage kritisch: 82 Prozent sind von Eigenkapitalrückgängen betroffen und über die Hälfte von Liquiditätsengpässen. Zwölf Prozent sehen sich einer drohenden Insolvenz gegenüber. Immer noch 44 Prozent planen mit weniger Personal.

Ergebnisse für die Stadt Köln

 Im Frühjahr 2021 melden in Köln immer noch 31 Prozent der Unternehmen eine schlechte Lage (Vorumfrage: 30,2 Prozent) und 27 Prozent melden eine gute Lage (Vorumfrage: 24,4 Prozent). In der Industrie hat sich die Lage verbessert, bleibt aber im negativen Bereich. Im Handel hat sich die Situation verschlechtert. Im Dienstleistungsbereich ist der Indikator in den leicht positiven Bereich gestiegen. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate sind dagegen die Erwartungen der Unternehmen etwas hoffnungsvoller und von einem Saldo von -2,5 im Winter auf einen Saldo von 1,1 Punkte gestiegen.
Zuversichtlicher auf die kommenden zwölf Monate blickt die Dienstleistungswirtschaft. Es überwiegen aber die Unternehmen, die eine schlechtere Entwicklung annehmen. Dies ist ebenfalls im Handel der Fall. Die Zuversicht hat nochmals nachgelassen und der Indikator bleibt im negativen Bereich. Auch die Industrieunternehmen sind zurückhaltender in ihren Erwartungen als im Winter. Die Beschäftigungspläne sind immer noch zurückhaltend. Aktuell plant nur 18 Prozent der Unternehmen mit mehr Beschäftigten (Vorumfrage: 21,2 Prozent). Immer noch 29 Prozent plant jedoch mit weniger Personal (Vorumfrage: 31,6 Prozent).