Rheinisches Revier

Wirtschaft und Industrie sind Teil der Lösung

Wie die IHK Köln den Transformationsprozess im Rheinischen Revier mit neuen Impulsen befördern will.
Text: Manfred Kasper
Der bis spätestens 2038 geplante Ausstieg aus der Braunkohleverstromung und der damit einhergehende Strukturwandel stellen das Rheinische Revier und die gesamte rheinische Industrie vor große Herausforderungen. Wie kann der Umbau des Rheinischen Reviers zu einer erfolgreichen, möglichst klimaneutralen Zukunftsregion Europas gelingen? Eine Frage, die für die Metropole Köln und das gesamte Rheinland von entscheidender Bedeutung ist.
„Im Rheinischen Revier stehen wir vor einem gewaltigen strukturellen und räumlichen Umbau“, unterstreicht Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Von entscheidender Bedeutung ist die sichere Verfügbarkeit von grünem Strom und grüner Primärenergie. Außerdem müssen Flächen und Infrastruktur für die Transformation der rheinischen Industrie in Richtung Klimaneutralität wie auch für Neuansiedlungen geschaffen werden.
Unser Ziel muss es sein, innovative Unternehmen aus Zukunftsbranchen in die Region zu holen und attraktive Arbeitsplätze zu schaffen, die emissionsarm sind und den Menschen eine klare Perspektive bieten.

Dr. Uwe Vetterlein, IHK-Hauptgeschäftsführer

Um dies zu erreichen, bedürfe es Weichenstellungen, die das Generationenprojekt Strukturwandel voranbringen.
Zum Hintergrund: Spätestens bis zum Jahr 2038 soll die Kohleverstromung in Deutschland beendet sein. Den Strukturwandel in den betroffenen Regionen unterstützt der Bund mit insgesamt bis zu 40 Milliarden Euro, 14,8 Milliarden davon fließen ins Rheinische Revier. Damit diese Fördermittel sinnvoll und zielorientiert eingesetzt werden können, wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der Zukunftsagentur Rheinisches Revier und ihren Gesellschaftern sowie fachlichen Expert:innen das so genannte Wirtschafts- und Strukturprogramm (WSP) 1.0 erarbeitet. Es dient als „Fahrplan“ und Grundlage für eine künftige Förderlandschaft und umfasst vier Zukunftsfelder: Energie und Industrie, Ressourcen und Agrobusiness, Innovation und Bildung sowie Raum und Infrastruktur.

Unternehmerisches Engagement als Motor der Transformation

„Der Strukturwandel ist ein Erfolg, wenn Unternehmen in der Region investieren und neue zukunftsweisende Arbeitsplätze schaffen. Das klingt einfach, gerät aber viel zu häufig aus dem Fokus“, betont Thorsten Zimmermann, Leiter der Geschäftsstelle Rhein-Erft, der für die IHK Köln im Aufsichtsrat der Zukunftsagentur Rheinisches Revier sitzt. Dazu brauche es Impulse und den Aufbau einer diversifizierten Wirtschaftsstruktur sowie neuer Wertschöpfungsketten. Die zum Teil bereits angesiedelten Forschungseinrichtungen und der weitere Ausbau der Infrastruktur allein reichten nicht aus, um dem absehbaren Wegfall industrieller Arbeitsplätze in den nächsten Jahren entgegenzuwirken. Das Wichtigste seien entsprechende Rahmenbedingungen, um eine zukunftsfähige Industrieregion mit innovativen, klimaneutral arbeitenden Produktionsstätten zu befördern. Dazu zählten Flächen sowie eine sichere Energieversorgung.
Das Rheinische Revier und die umliegende Region sind geprägt von überdurchschnittlich vielen energieintensiven Unternehmen mit signifikanten positiven Effekten auf Beschäftigung und Wertschöpfung. Hinzu kommen zahlreiche energiesensitive Betriebe sowie kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser, die auf eine sichere Versorgung mit Energie angewiesen sind. Angesichts dessen ist die Stabilität der Energieversorgung vor allem mit Strom laut Zimmermann ein entscheidender Standortfaktor im internationalen Wettbewerb, auch für die Stadt Köln und die rechtsrheinischen Kreise des IHK-Bezirks.
In einem dezentralen und möglichst CO2-neutralen Energiesystem der Zukunft müsse Energie verlässlich verfügbar sein. Wegweisende Bedeutung komme zudem der Frage der Flächen zu. Aktuell fehle es vor allem an Potenzialflächen, die industriell nutzbar wären. Ohne ausreichende Flächenreserven jedoch könnten die Kommunen den Strukturwandel nicht wirklich erfolgreich gestalten, sagt Zimmermann und verweist darauf, wie wichtig es sei, die wenigen „Filetstücke“ in der Region hochwertig zu nutzen. Heute müsse das Potenzial bereitgestellt werden, um perspektivisch Angebote unterbreiten zu können. „Wenn wir jetzt nicht schnell neue Flächenpotenziale erschließen, können wir mögliche Investoren in den kommenden Jahren einfach nur durchwinken, statt sie für die Region zu gewinnen. Dies wäre angesichts des relativ zügigen Abbaus von Arbeits- und Ausbildungsplätzen fatal“, so Zimmermann.

Gemeinsame Wege in die Zukunft

Das sieht Frank Rock, Landrat des Rhein-Erft-Kreises, ähnlich. Er würde der Region gerne „die Fesseln nehmen“ und wünscht sich vereinfachte Verfahren und Instrumente, um die Dynamik der Planungsabläufe zu beschleunigen und den Kommunen und Kreisen mehr Gestaltungsspielraum zu geben. „Letztlich können wir die Zukunftsherausforderungen nur annehmen, wenn wir gemeinsame Wege gehen und gemeinsam handeln“, ergänzt er und hat dabei auch die Synergien mit der Metropole Köln im Blick. Dabei gehe es nicht nur um die Nähe zu Absatzmärkten und Fachkräften, sondern um einen intensiven Dialog und eine zunehmende Vernetzung von Stadt und Umland, um die Wachstumsregion Rheinland für die Zukunft gut aufzustellen. Wirtschaft und Industrie seien diesbezüglich Teil der Lösung, damit die Wertschöpfung und die Beschäftigung im Rhein-Erft-Kreis und im Rheinischen Revier gesichert und die Region fit für die Zukunft gemacht werden könne.
In den nächsten Ausgaben der „IHKplus“ werden wir verschiedene Aspekte des Strukturwandels im Rheinischen Revier etwas genauer betrachten: von der Historie des Rheinischen Reviers über Themen wie Fachkräfte und Wertschöpfungsketten bis zur Frage der Zukunftsindustrien und der Verantwortung der Generationen.


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