Ausbildung

Ausbildung unter Corona-Bedingungen

Kurzarbeit, Home Office, Schulschließungen - Fragen zur Ausbildung während der Corona-Pandemie

Ist Homeoffice für Auszubildende möglich?

Grundsätzlich sollten Auszubildende nicht im Homeoffice arbeiten. Aus § 14 Absatz 1 Nummer 2 Berufsbildungsgesetz (BBiG) ergibt sich, dass der Ausbildende den Auszubildenden selbst auszubilden hat oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit zu beauftragen hat. Der Ausbilder muss überwiegend in der Ausbildungsstätte anwesend sein, damit er den Auszubildenden ordnungsgemäß anleiten und seine Arbeitsergebnisse kontrollieren kann. Dies ist in der Regel jedoch dann nicht möglich, wenn der Auszubildende im Homeoffice arbeitet.
Aufgrund der derzeitigen Umstände ist es jedoch vertretbar, ausnahmsweise Homeoffice auch für Auszubildende zuzulassen, insbesondere dann, wenn der Ausbilder die Arbeitsergebnisse zum Beispiel per E-Mail kontrollieren kann.

Was passiert, wenn das Berufskolleg keinen Präsenzunterricht anbietet? Gilt die Schulpflicht für Auszubildende?

Bitte beachten Sie folgende Regelungen zum Berufsschulunterricht und der Schulpflicht für Auszubildende:
Das Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW hat den Berufskollegs Möglichkeiten eröffnet, z. B. einzelne Klassen im Hybridunterricht zu beschulen, also eine Teilgruppe im Distanzunterricht und eine Teilgruppe im Präsenzunterricht. Die Schulleitung entscheidet hier in eigener Verantwortung, in welchem Bildungsgang und in welchem Umfang Distanzunterricht pädagogisch und organisatorisch sinnvoll umsetzbar ist. Der Unterricht darf aber keinesfalls ausfallen. Die Schulpflicht bleibt bestehen.
Hinweise für Ausbildungsbetriebe bei Ausfall des Präsenzunterrichts und zur Notwendigkeit der Vermittlung des Berufsschulstoffes:
Aufgrund der besonderen Situation möchten wir darauf hinweisen, dass auch bei Ausfall des Präsenzunterrichts der Ausbildende nach § 14 Abs. 1 BBiG dafür Sorge zu tragen hat, dass den Auszubildenden die volle berufliche Handlungsfähigkeit (Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse) nach Maßgabe der jeweiligen Ausbildungsordnung zu vermitteln ist.
Die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sollen so vermittelt werden, dass die Auszubildenden zur Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit im Sinne des § 1 Abs. 3 des Berufsbildungsgesetzes befähigt werden, die insbesondere selbstständiges Planen, Durchführen und Kontrollieren sowie das Handeln im betrieblichen Gesamtzusammenhang einschließt. Dies ist auch in den Abschlussprüfungen nachzuweisen.
Im Sinne und Interesse einer effektiven Lernortkooperation zwischen den Lernorten Betrieb und Berufsschule empfehlen wir daher, dass sich Ausbildende und Lehrkräfte der Berufskollegs nach Möglichkeit – auch während Schulschließungen - austauschen und den Auszubildenden ausreichend Gelegenheit gegeben wird, den Stoff des ausgefallenen Berufsschulunterrichts angemessen aufnehmen zu können.

Darf ein Auszubildender von der Ausbildung fernbleiben?

Grundsätzlich darf ein Auszubildender die Arbeit nicht verweigern, weil die Ansteckungsgefahr bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin erhöht sein könnte. Im Einzelfall kann der Arbeitgeber bei einer konkreten Gefährdung aufgrund seiner Fürsorgepflicht verpflichtet sein, den Auszubildenden von der Arbeit freizustellen oder Teile der Ausbildung (zum Beispiel das Führen des Ausbildungsnachweises) zu Hause zu erlauben.

Kann für Auszubildende Kurzarbeit angeordnet werden?

Auszubildenden gegenüber kann in der Regel keine Kurzarbeit angeordnet werden. Der Ausbildungsbetrieb ist dazu verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung weiter zu gewährleisten. Hierbei hat er beispielsweise folgende Möglichkeiten:
  • Umstellung des Ausbildungsplans durch Vorziehen anderer Lerninhalte
  • Versetzung in eine andere Abteilung
  • Rückversetzung in die Lehrwerkstatt
  • Durchführung besonderer Ausbildungsveranstaltungen
Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Auszubildende in Frage kommen. Diese Option ist allerdings restriktiv zu handhaben.
Sollte Auszubildenden gegenüber Kurzarbeit angeordnet werden, haben sie Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). Abweichend von der gesetzlichen Mindestdauer können Ausbildungs- und Tarifverträge längere Fristen vorsehen.
Weitere Informationen zur Kurzarbeit erhalten Sie bei den Ausbildungsberater/-innen der IHK Köln über die zentrale Nummer: Tel. 0221 1640-6630.

Kann für Ausbilder/-innen Kurzarbeit angeordnet werden?

Auch bei Ausbildern sollte Kurzarbeit nur in Ausnahmefällen angeordnet werden, da der Betrieb gewährleisten muss, dass der Ausbilder seiner Ausbildungspflicht gegenüber dem Auszubildenden nachkommt. Werden die Auszubildenden mangelhaft oder gar nicht ausgebildet, kann ein Schadensersatzanspruch gegenüber dem Ausbildungsbetrieb entstehen.
Weitere Informationen zur Kurzarbeit erhalten Sie bei den Ausbildungsberater/-innen der IHK Köln über die zentrale Nummer: Tel. 0221 1640-6630.

Kann der Auszubildende in den Urlaub geschickt werden?

Auszubildende können nicht pauschal in “Zwangsurlaub” geschickt werden. Urlaub muss der Auszubildende beantragen und er kann nicht gegen dessen Willen einfach angeordnet werden. Ähnliches gilt für den Abbau von Überstunden. Der Auszubildende selbst oder auch der Betriebsrat können eine Vereinbarung mit der Unternehmensleitung treffen. Hier zählt der Einzelfall.

Kann dem Auszubildenden gekündigt werden?

Kurzarbeit an sich kann keine Kündigung der Auszubildenden durch den betroffenen Ausbildungsbetrieb rechtfertigen. Es sei denn der Ausbildungsbetrieb kommt für längere Zeit vollständig zum Erliegen. Entfällt dadurch die Ausbildungseignung des Betriebes, ist eine Kündigung der Auszubildenden möglich, ohne dass ein Schadensersatzanspruch entsteht. Die Ausbilder sind aber dazu verpflichtet, sich mit der zuständigen Agentur für Arbeit rechtzeitig um einen anderen Ausbildungsbetrieb für den Auszubildenden zu bemühen.

Was mache ich als Auszubildender, wenn mir mein Betrieb kündigt?

Melde Dich umgehend bei der Agentur für Arbeit!
Informiere Deine Berufsschule und erkundige Dich, ob Du noch am Berufsschulunterricht teilnehmen darfst, bis Du einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen hast.
Kümmere Dich aktiv um einen neuen Ausbildungsplatz, damit Du Deine Ausbildung erfolgreich abschließen kannst. Infos über unsere Ausbildungsstellenvermittlung.
Wenn Du kurz vor Abschluss der Ausbildung stehst (Restdauer: max. 6 Monate): Sprich die IHK an. Ggf. kannst Du über eine spezielle Zulassung an der Abschlussprüfung teilnehmen, so dass Du Deinen Abschluss auch ohne neuen Ausbildungsplatz erreichen kannst.

Worauf müssen Ausbildungsbetrieb und Auszubildende achten, wenn das Unternehmen Insolvenz anmeldet?

Grundsätzlich gilt: Weder eine drohende Insolvenz noch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens haben direkte Auswirkungen auf den Ausbildungsvertrag. Die aus dem Ausbildungsverhältnis resultierenden Rechte und Pflichten bleiben weiter bestehen. Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens tritt allerdings der Insolvenzverwalter an die Stelle des Ausbildungsbetriebs. Alle aus dem Ausbildungsvertrag bestehenden Ansprüche sind an ihn zu richten.
Der Ausbildungsbetrieb bzw. der Insolvenzverwalter sind dazu verpflichtet, die aus dem Ausbildungsverhältnis resultierenden Pflichten weiter zu erfüllen. Hierzu zählt insbesondere die Zahlung der vereinbarten Ausbildungsvergütung. Grundsätzlich können sich Ausbildungsbetrieb und Auszubildender auf eine Kürzung der Ausbildungsvergütung einigen. Die Ausbildungsvergütung muss jedoch weiterhin angemessen und höher als die gezahlte Vergütung des vorhergehenden Jahres sein, § 17 Abs. 1 Berufsbildungsgesetz (BBiG).

Kann die Ausbildung während der Coronakrise temporär durch ein Partnerunternehmen übernommen werden?

Wir möchten helfen! Können wir Auszubildende aus zurzeit geschlossenen Unternehmen aufnehmen?
Für Unternehmen, die aufgrund von angeordneten Schließungen bzw. behördlicher Auflagen faktisch an der Weiterführung der Ausbildung gehindert sind, stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, um Auszubildenden trotz temporär angeordneter Schließung der Ausbildungsstätte eine Ausbildung ermöglichen zu können. Hierfür sieht das Berufsbildungsgesetz ausdrücklich mit dem Instrument der Verbundausbildung (vgl. § 10 Abs. 5 BBiG) eine Lösung vor. Mitunter lässt sich hierdurch vermeiden, dass Ausbildungszeiten wegen der Krise verlängert oder das Ausbildungsverhältnis gar gekündigt werden muss.
Die Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberater der IHK Köln helfen Ihnen gerne weiter, wenn Sie die Ausbildung im Rahmen eines Verbunds weiterführen bzw. überbrücken möchten.
Gerne können Sie sich auch melden, falls Sie als Unternehmen Möglichkeiten haben, um Auszubildende aus betroffenen Unternehmen für einen Zeitabschnitt innerhalb der Ausbildung aufzunehmen und damit helfen möchten, Ausbildungsabbrüche zu verhindern. Die Beraterinnen und Berater der IHK Köln würden dann Kontakt zu betroffenen Unternehmen herstellen, die Hilfe und Unterstützung benötigen.

Ausbildungsprämie

Alle Informationen zu den Fördermöglichkeiten und der Antragstellung zum Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ haben wir auf unserer Seite zur Ausbildungsprämie für Sie zusammengestellt.