Jahresthema

Fachkräfte sichern

Der Fachkräftemangel ist trotz Corona die Herausforderung Nummer eins für viele Unternehmen und wird immer mehr zur Wachstumsbremse. Dabei gibt es viele Verbesserungsmöglichkeiten.

10 Fakten zur aktuellen Situation

  1. Schon vor der Pandemie fehlten in Nordrhein-Westfalen rund 450.000 Fachkräfte, davon knapp 400.000 mit beruflicher Qualifikation. Tendenz weiter steigend. Gleichzeitig nimmt die Zahl an jungen Menschen ab, die sich für eine berufliche Bildung interessieren.
  2. Der Fachkräftebedarf ist zurück auf Vor-Corona-Niveau und für die meisten Unternehmen wieder das größte Geschäftsrisiko.
  3. In einzelnen Branchen (Gastgewerbe, Tourismus usw.) ist der Fachkräftemangel durch pandemiebedingte Abwanderung von Beschäftigten sogar noch höher als vor Corona.
  4. Das Arbeitskräftepotenzial sinkt weiter. Der Haupteinflussfaktor dafür ist der demograpische Wandel.
  5. Am stärksten ist die Nachfrage der Unternehmen nach Fachkräften mit beruflicher Ausbildung.
  6. Die erschwerte Berufsorientierung in den Schulen wärend der Corona-Pandemie hat die berufliche Bildung geschwächt. Diese Entwicklung verschärft die Situation noch zusätzlich.
  7. In den vergangenen Jahren Deutschland einen Trend zur Akademisierung erlebt. Die Folge: In der Region Köln erwerben zwei Drittel der Schulabgänger die (fachgebundene) Hochschulreife und folgen zu oft dem vermeintlichen Automatismus: „Wenn Abitur, dann Studium!“ – und vernachlässigen dabei häufig ihre eigenen Neigungen und Fähigkeiten.
  8. Die Eltern sind weiterhin die wichtigsten Ansprechpartner für Jugendliche in Fragen der beruflichen Orientierung.

5 Forderungen der IHK Köln

  1. Berufliche Orientierung stärken: Die Berufs- und Studienorientierung in der Sekundarstufe 2 sollte deutlich ausgebaut werden. Schülerinnen und Schülern sollte vermittelt werden, dass die betriebliche Ausbildung häufig eine bessere Perspektive bietet als „nur“ ein (isoliertes) Studium. Der Leitspruch „Erst Abi, dann Studium“ passt längst nicht für alle. Das Motto „Nach der Schule erst einmal eine Ausbildung”, die danach – wenn sinnvoll – passgenau um akademische Bildung ergänzt werden kann, ist für viele der bessere Weg.
  2. Der Berufsanschluss ist genauso wichtig wie der Schulabschluss: In der Pandemie kam die berufliche Orientierung häufig zu kurz. Für die Zukunft sollte gelten: Elemente der Berufsorientierung genießen an den Schulen denselben Stellenwert wie normaler Unterricht. Dabei sollte die berufliche Bildung an allen Schulen den gleichen Stellenwert wie die akademische Bildung genießen.
  3. Duale Ausbildung an Berufskollegs priorisieren: Berufsschullehrkräfte sind knapp. Deshalb sollten Berufskollegs der dualen Ausbildung klare Priorität geben. Nur über den Bedarf der Fachklassen der dualen Ausbildung hinausgehende Ressourcen sollten für andere Bildungsangebote eingesetzt werden.
  4. Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung unterstreichen: Die Abschlussbezeichnungen „Bachelor Professional“ und „Master Professional“ machen auch sprachlich deutlich, wie gut Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsbildung qualifiziert sind. Folgerichtig wäre deshalb ein grundsätzlicher Zugang von Bachelor Professionals, Meistern und Fachwirten zu hochschulischen Master-Studiengängen.
  5. Zusätzliche Fachkräfteressourcen erschließen: Fachkräfte sind knapp, Hilfskräfte aber nicht unbedingt. Gleichzeitig wird es in den nächsten Jahren nicht gelingen, den Fachkräftebedarf der Unternehmen allein durch Ausbildung zu sichern. In vermeintlich „ungelerntem“ Personal schlummern oft Potenziale. Mit einem landesweiten strukturbildenden Modellprojekt sollte NRW dieses Potential erschließen und so bundesweit eine Vorreiterrolle übernehmen.